Freiwillige Feuerwehr Würzburg Löschzug 1


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Dessau

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Hochwassereinsatz in Dessau Sachsen-Anhalt am 17. - 20. August 2002

Würzburger Helfer kämpfen gegen die Katastrophe

WÜRZBURG/DESSAU Knapp 100 Kilometer vor Berlin kämpfen seit Samstag in Dessau auch zahlreiche Würzburger Feuerwehrleute gegen die Fluten der Elbe an. Feuerwehren aus Würzburg in Dessau im Einsatz - Helfer wechseln sich ab So etwas habe er noch nie gesehen, sagte gestern um 12 Uhr der Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr Würzburg Roland Wagner am Telefon: 12 Millionen Sandsäcke wurden in dieser Region bereits verfüllt, davon allein 4,5 Millionen in Dessau - davon wiederum 90 Prozent allein von den Bewohnern der Stadt. "Ich habe noch nie so viele erschöpfte, aber auch hilfsbereite Menschen gesehen wie hier", sagt Wagner, der immerhin auf 30 Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann. "Die Menschen bringen Lebensmittel, kümmern sich um die Wäsche und packen an wo es nur irgend geht. Selbst aus Berlin reisen die Leute an", zeigt sich Wagner sichtlich beeindruckt. "Das sieht aus wie Arbeitstiere, wie Ameisen," beschreibt er die Lage, während Hubschrauber-Getöse zu hören ist. "Die Leute sind unheimlich bemüht - sonst saufen sie ab! Hören Sie das?", fragt er. Die Hubschrauber bringen Sandsäcke aus der Luft, um die Stellen der Deiche zu stopfen, die bereits durchgebrochen sind. Die Elbe ist bereits 15 Kilometer (!) breit. Die Entfernung vom Einsatzort der Würzburger bis zum eigentlichen Flussbett der Elbe dürfte etwa sechs Kilometer betragen: Wasser über Wasser. Sie befinden sich am Groß-Kühnauer See, benannt nach einem Dessauer Ortsteil. In seiner Karte liest Wagner ein Zeichen, dass man hier normalerweise schwimmen kann. Aber ob da mal ein See war, weiß er nicht.

Alles ist überschwemmt.

Die Würzburger hätten, teils unter Mithilfe weiterer 300 Helfer, einen zwei Kilometer langen Damm errichtet, über einen Meter hoch und mit einer Fußbreite von sechs bis sieben Säcken - also wiederum einen Meter breit. Die Situation ist so: Es existieren bereits Deich-Wälle, teils über 200 Jahre alt. Die Elbe führt so massiv Wasser, dass das Wasser über die Wälle schwappte, es kletterte vom Normal-Pegelstand bei 2,3 Meter auf jetzt 7,6 Meter. Wagner: "Teils ist es übergeschwappt. Die Flutwelle kam heute morgen um 4 Uhr durch".
Einige Ortsteile Dessaus (80 000 Einwohner) stehen deshalb bereits eineinhalb Meter unter Wasser. Hubschrauber sind rund um die Uhr unterwegs, denn am Sonntag brachen einige Deiche, und nun werden Sandsäcke aus der Luft abgesetzt, um zu retten, was zu retten ist. Die Deiche können längst nicht mehr begangen werden. Sie weichen auf, erst recht, weil ja die schweren Sandsäcke noch zusätzlich darauf aufgebracht wurden.
Die Würzburger halten den zwei Kilometer langen Bereich, den so genannten "Abschnitt sechs". Nach den Strapazen des Aufbauens der Sand-Barrikaden ist es jetzt ihre Aufgabe, gründlich zu kontrollieren: Das Wasser darf nicht durchsickern. Deshalb müssen sie alle zehn bis 15 Minuten an den Sandsäcken vorbeischauen, gemeinsam mit einem Deichbaumeister aus dem Ort. Die Sandsäcke kommen übrigens aus der gesamten Bundesrepublik, aus Holland, aus England, "Wahnsinn", sagt Wagner immer wieder und ist beeindruckt von Hilfsbereitschaft und Einsatz der Menschen. "Selbst die Jugendlichen arbeiten bis früh morgens um 4 Uhr mit". Viele Helfer kommen in Privat-Autos. Mitmachen kann jeder - beim Säckefüllen mit Sand.

Die Hilfe muss aber auch organisiert sein. Den 32 Würzburgern und ihren zugeteilten Helfern am Abschnitt sechs gingen bis Sonntag um 17 Uhr über 900 Tonnen Sand durch die Hände, das bedeutet also bei 15-Kilo-Säcken 60 000 Stück. Vorwiegend aus Bayern sind hier die Feuerwehren und weitere Einsatzkräfte zugange, viele aus unterfränkischen Landkreisen wie Würzburg, und Miltenberg. "Wir sind platt", so Wagner gestern Mittag. "Wenn wir mal ein bis zwei Stunden geruht haben - schlafen ist gar nicht möglich - dann ist das viel." Die Würzburger sollten am Montag nachmittag von Ersatzkräften abgelöst werden und schickten gleich zusätzliche Fahrer mit nach Dessau, denn für die Helfer, die sich vor Ort so verausgabt haben, bestünde sonst die Gefahr, dass sie auf der Heimfahrt am Steuer einschlafen. 8 Feuerwehrleute von der Würzburger Berufsfeuerwehr, 11 Einsatzkräfte von der Freiwilligen Feuerwehr Würzburg, hiervon 1 Frau, waren am Montag seit 800 Uhr mit 5 Fahrzeugen auf dem Weg ins Krisengebiet. Die Freiwillige Feuerwehr Unterdürrbach wollte ihre 8 Kollegen ebenfalls im Laufe des Tages ablösen.
Doch auch die Heimfahrt stand gestern für sie noch unter einem unsicheren Stern: Zur Mittagszeit war die A 9 aufgrund der katastrophalen Situation bereits halbseitig gesperrt.

Quelle: Main Post
Regina Urbon


Bilder: Feuerwehr


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